Korruption entsteht, wo ehrgeizige und monetär fixierte Entscheidungsträger keine moralischen oder normativen Grenzen spüren, die sie hindern, ihren eigennützigen Zielen nachzugehen.
Der durchschnittliche Wirtschaftsstraftäter ist männlich, zwischen 31 und 50 Jahre alt und sozial unauffällig. Im Gegensatz zu anderen Kriminellen leben Korruptionsstraftäter typischerweise ein angepasstes Leben. Sie haben eine gute bis hervorragende Ausbildung, verfügen über eine einflussreiche Position in ihrem Unternehmen oder in der Verwaltung und sind beruflich extrem engagiert. Sie sind nicht vorbestraft, schuldenfrei und verheiratet. Ihre Wertvorstellungen decken sich mit der Einstellung der Bevölkerungsmehrheit. Als Vorgesetzte wirken sie oft penibel und korrekt.
Korruptionsstraftäter haben zumeist kein Unrechtsbewusstsein – sie sehen sich selbst nicht als kriminell, sondern halten den Zusatzverdienst als gerechtfertigt für ihre beruflichen Leistungen. Die Schutz- und Verdrängungsmechanismen sind vielfältig: der eigene Arbeitseinsatz sei höher als das Gehalt; Korruptionstaten produzieren scheinbar keine Opfer; der Schaden für das Unternehmen bleibt abstrakt. Ein eventuell aufkeimendes schlechtes Gewissen wird mit neutralisierenden Floskeln klein geredet: als Spenden, Förderbeiträge, Freundschaftsdienste.
Diese intelligenten Menschen müssten wissen, dass strafrechtliche Ermittlungen ihre berufliche und private Existenz vernichten können. Die empirische Strafrechtsforschung zeigt allerdings, dass weder das Wissen um die Existenz einer Strafnorm noch die Höhe der Strafe präventiv wirken – nur das subjektiv empfundene Risiko aufzufliegen schreckt ab.
Die typische Korruptionskarriere lässt sich in vier Phasen aufteilen:
1. Die Anbahnungsphase nennt man auch "Anfüttern", in der die eine Seite herausfindet, für welche Angebote sein Gegenüber empfänglich ist – und was er selbst als Gegenleistung fordern kann.
2. In der Konsolidierungsphase wird immer wieder probiert, was bisher gut funktioniert hat – und die Summen werden gesteigert. Wenn das nähere Umfeld signalisiert, dass Korruption normal und tolerierbar ist, werden strafrechtliche Konsequenzen umso leichter verdrängt.
3. In der Risikophase fühlen sich die Täter immer sicherer, je länger alles gut geht. Sie sind sogar stolz auf ihre „Cleverness" und glauben Grenzen überschreiten zu dürfen, solange sie die Dinge im Griff haben. Diese Überheblichkeit führt zu Prahlerei, oftmals verändert sich der Lebensstil auffällig. Der Aufwand für Verdeckungsmaßnahmen wird verringert; Untergebene werden einbezogen, von denen aus Angst um den eigenen Arbeitsplatz meist keine Gefahr, droht, etwa um Scheinrechnungen offiziell korrekt zu verbuchen.
4. In der Aufdeckungsphase tritt das fehlende Unrechtsbewusstsein deutlich zu Tage. Das Gefühl, doch eigentlich nichts Verwerfliches getan zu haben, hält bis in den Gerichtssaal an.
Korruption gedeiht auf allen Hierarchieebenen – vom Vorstand bis zum Abteilungsleiter im Einkauf – überall dort, wo interne Kontrollen versagen und die Firmenkultur fragwürdige Praktiken nicht streng sanktioniert, sondern stillschweigend duldet. Was den oberen Etagen erlaubt wird, das machen sich früher oder später auch Arbeitnehmer auf den mittleren und unteren Etagen zu Eigen. Problematisch ist die oftmals vorhandene Doppelmoral: Beispielsweise wird beim Vertrieb das Ergebnis unabhängig vom Weg honoriert, auf dem der Umsatz erzielt wurde.
Nur ein Kulturwandel im Unternehmen und in der Gesellschaft kann die Einstellung der Entscheidungsträger verändern. Korrektes Verhalten muss belohnt und nicht bestraft werden und positiven Einfluss auf Einkommen und Karriere haben.
Eine aktuelle Studie zur Anaylse der Motivstrukturen bei Wirtschaftskriminalität wurde im Februar 2009 von PricewaterhouseCoopers veröffentlicht: Link zum Download
Zur Beurteilung, inwiefern (potentielle) Mitarbeiter zu betriebsschädigendem Verhalten (wie z. B. Korruption) neigen, können verschiedene psychologische Testverfahren herangezogen werden. |