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5 Tipps wie Sie andere für Ihre Compliance-Kommunikation begeistern

 

Menschen in Unternehmen erhalten durchschnittlich etwa 121 E-Mails pro Tag.

Was passiert, wenn sie eine E-Mail von ihrer Compliance-Abteilung in ihrem Posteingang sehen?

Sind sie begierig darauf, sie zu öffnen und zu lesen? Wahrscheinlich nicht.

Viele denken vielleicht: "Oh, nein! Nicht schon wieder eine neue, langweilige Regel", und sie löschen die Mail, ohne sich die Mühe zu machen, die darin enthaltenen Informationen zu lesen. Peng! Vermutlich denken die Mitarbeitenden, dass

- Compliance für ihre Arbeit nicht relevant ist,

- sie erstmal all ihre anderen E-Mails bearbeiten müssen,

- sie gerade jetzt keine Zeit und Lust haben, um einen langen Text in Juristendeutsch zu lesen.

- (fügen Sie Ihre Lieblingsausrede hinzu).

Das ist frustrierend, denn die Compliance-Abteilung hat hart dafür gearbeitet, alle über eine neue Vorschrift zu informieren. So kann es schnell dazu kommen, dass Mitarbeitende die neue Regelung nicht beachten und schon gibt es den nächsten Vorfall, um den sich die Compliance-Abteilung kümmern muss. Leider verstärkt dies wiederum deren ohnehin schon unvorteilhaften Ruf als Spielverderber und Erbsenzähler, die keine Ahnung vom Business haben.

Der Teufelskreis der ineffektiven Compliance-Kommunikation!

Das muss nicht sein!

Im Werkzeugkasten der Verhaltens- und Kommunikationswissenschaften finden wir effektive Instrumente und Methoden, um das interne Image der Compliance von der „Spaßbremse" und den „Umsatzverhinderern" zum vertrauenswürdigen Berater zu transformieren.

Hier sind 5 Schritte, die Compliance-Teams unternehmen können, um ihre Kommunikation spannender zu gestalten und strategisch aufzustellen:

1.         Entwickeln Sie Ihr Marketing-Mindset:

Ich weiß, Sie wollten nie im Marketing arbeiten, aber Compliance braucht nun mal das Buy-in aller. Ob Sie wollen oder nicht, Sie sind im Marketing! In der Tat gibt es heute kaum noch Jobs, in denen man ohne Marketing-Mindset auskommt. Sehen Sie es als spannende Herausforderung und Erfolgsvoraussetzung Ihrer Karriere. Beim Marketing-Mindset geht es nicht um Manipulation, sondern um den Aufbau langfristiger Beziehungen. Entscheidend ist dabei immer die Welt aus der Perspektiver Ihrer "Kunden" zu sehen. Natürlich ist für Sie die Wichtigkeit von Compliance glasklar. Natürlich finden Sie, dass Compliance ein spannendes Thema ist. Aber das ist nicht unbedingt für alle anderen der Fall. Sie müssen es sich zur (Marketing-)Gewohnheit machen, immer wieder darüber nachzudenken, wie Sie Compliance für andere relevant machen können.

2.         Gehen Sie in sich, entwickeln Sie Ihre Compliance-Brand und machen Sie diese bekannt:

Wenn Sie Menschen für Compliance gewinnen wollen, müssen Sie an Ihrer Sichtbarkeit und Identität arbeiten. Was ist Ihr Ziel? Für welche Werte stehen Sie? Wie wollen Sie wahrgenommen werden? Dies wird Ihnen helfen, positiv im Gedächtnis zu bleiben.

3.         Kennen Sie Ihre Zielgruppen und deren Bedürfnisse:

Wie bei jedem erfolgreichen Marketing müssen Sie Ihre verschiedenen Zielgruppen gut kennen. Wie können Sie das Top Management, das mittlere Management und Mitarbeiter auf spezifische Weise ansprechen und damit einen Mehrwert für sie schaffen? Pflegen Sie Ihre internen Kontakte systematisch, hören Sie ihnen zu und holen Sie sich regelmäßig Feedback. Außerdem hat jede Abteilung andere Compliance-Herausforderungen – bleiben Sie auf dem Laufenden über deren tägliche schwierigen Entscheidungensituationen und bieten Sie ihnen praktische Lösungen an.

4.         Machen Sie einen Plan:

Was ist das Ziel Ihrer Kommunikationsstrategie? Mischen Sie viele Kommunikationskanäle (Online-Veranstaltungen, Videos, Podcasts, Interviews... die Möglichkeiten sind endlos). Halten Sie sie kurz, nützlich, attraktiv und wiederholen Sie Ihre Botschaft unermüdlich. Sprechen Sie mit Ihrer internen Kommunikationsabteilung und begeistern Sie diese dafür, Sie zu unterstützen.

5.         Evaluieren Sie Ihre Ergebnisse:
Behalten Sie den Überblick über Ihre Kommunikationsaktivitäten und finden Sie heraus, wie sie ankommen. Sie können dies mit Statistiken oder Umfragen tun oder einfach mit regelmäßigen Dialogen mit Ihren Zielgruppen. Compliance-Kommunikation sollte keine Einbahnstraße sein. Auf der Basis dieser Erkenntnisse können Sie dann Ihre Kommunikationsstrategie kontinuierlich verbessern.

Ja, es ist aufwendig, eine solche ganzheitliche und kreative Compliance-Kommunikationsstrategie aufzusetzen, aber Sie brauchen nicht unbedingt ein großes Budget dafür und wenn Sie die Strategie einmal aufgesetzt haben, wird der Rest Ihrer Compliance-Arbeit mehr Spaß machen, effektiver und weniger frustrierend sein.

Viel Erfolg!

Wünscht unsere Gastautorin Dr. Bettina Palazzo

 

Über die Autorin

Dr. Bettina Palazzo ist der Überzeugung, dass unethische Unternehmen unglücklich machen. Deshalb setzt sie sich seit über 25 Jahren mit unermüdlicher Begeisterung dafür ein, Unternehmensethik zu einem Thema zu machen, bei dem alle dabei sein wollen. Sie unterstützt Unternehmen und Non-Profit Organisationen dabei, die ethische Kompetenz ihrer Führungskräfte zu fördern. Ihre besondere Leidenschaft gilt dabei der Schaffung von Führungskulturen, in denen das offene Ansprechen ethischer Themen sich lohnt und ernst genommen wird (speak-up). Sie ist stolz darauf, bereits Ende der 90er Jahre bei KPMG Deutschland die Unternehmensethikberatung mit aufgebaut zu haben. Außerdem will sie dazu beitragen, die nächste Generation von Managern auf die Herausforderungen verantwortlicher Leadership vorzubereiten und unterrichtet deshalb an der Universität Genf. Bettina ist mit dem Unternehmensethiker Guido Palazzo verheiratet und hat zwei fast erwachsene Söhne.