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Ulrike Dittmar

Marketing & Corporate Communications

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Unternehmensethikerin Dr. Bettina Palazzo über Whistleblowing und die Bedeutung der Speak-up Kultur in Unternehmen

 

Die Unternehmensskandale der jüngsten Vergangenheit machen es deutlich: Bevor der ethische GAU eines Unternehmens publik wird, haben viele Menschen in der Organisation von der tickenden Zeitbombe an Fehlverhalten und illegalen Machenschaften gewusst. Die große Frage ist dann stets: Warum hat niemand etwas gesagt?

Die Antwort darauf ist Angst. Die Angst, dass kritische Kommentare und Nachfragen der eigenen Karriere, das Verhältnis zum Vorgesetzten oder gar den Arbeitsplatz gefährden könnten. Die Angst als einziger etwas auszusprechen, über das alle anderen nur hinter vorgehaltener Hand sprechen. Die Angst als illoyaler Querulant gegenüber dem Team und dem Unternehmen gesehen zu werden.

Deshalb brauchen Unternehmen Hinweisgebersysteme wie das BKMS® Incident Reporting, die es dem einzelnen möglich machen, Missstände, Fehlverhalten oder Verdachtsmomente gefahrlos zu melden.

Und diese formellen Hinweisgebersysteme funktionieren noch besser, wenn sie in eine informelle Speak-up Kultur eingebettet sind. Eine Kultur, in der ein Klima von „psychological safety“ herrscht und die Menschen im Unternehmen wissen, dass konstruktiver Widerspruch nicht bestraft, sondern ernst genommen wird.

In einer von Misstrauen geprägten Unternehmenskultur bringen die Mitarbeitenden instinktiv auch weniger Vertrauen in Hinweisgebersysteme auf. Ob berechtigt oder nicht. Dadurch, dass ich mich nicht traue, meinen Chef auf sensible Themen anzusprechen, erhöht sich auch die Hemmschwelle ein anonymes Meldesystem zu nutzen. Ausserdem können viele kleinere Probleme besser auf der informellen Ebene geklärt und aufgefangen werden. Sie sind Teil der Führungsverantwortung!

Der Weg zur Speak-up Kultur beginnt mit den Listen-up Kompetenzen der Führungskräfte. Durch einen autoritären Führungsstil und Unaufmerksamkeit entmutigen Manager, oft ohne böse Absicht, ihre Teammitglieder, kritisches Feedback zu geben. Führungskräfte müssen darin trainiert werden, auf Speak-up nicht defensiv, sondern proaktiv zu reagieren. Sie müssen bewusst daran denken, kritischen Input aktiv nachzufragen. Es genügt nicht zu sagen “Mir kann man alles sagen!“. Manager müssen immer wieder durch Worte und Taten beweisen, dass konstruktiver Widerspruch geschätzt wird und dass Ehrlichkeit nicht bestraft wird.

Mit der Kombination von Speak-up Kultur und Hinweisgebersystem können Unternehmen die tickende Zeitbombe des Schweigens stoppen.

 

Über die Autorin

Dr. Bettina Palazzo ist der Überzeugung, dass unethische Unternehmen unglücklich machen. Deshalb setzt sie sich seit über 25 Jahren mit unermüdlicher Begeisterung dafür ein, Unternehmensethik zu einem Thema zu machen, bei dem alle dabei sein wollen. Sie unterstützt Unternehmen und Non-Profit Organisationen dabei, die ethische Kompetenz ihrer Führungskräfte zu fördern. Ihre besondere Leidenschaft gilt dabei der Schaffung von Führungskulturen, in denen das offene Ansprechen ethischer Themen sich lohnt und ernst genommen wird (speak-up). Sie ist stolz darauf, bereits Ende der 90er Jahre bei KPMG Deutschland die Unternehmensethikberatung mit aufgebaut zu haben. Außerdem will sie dazu beitragen, die nächste Generation von Managern auf die Herausforderungen verantwortlicher Leadership vorzubereiten und unterrichtet deshalb an der Universität Genf. Bettina ist mit dem Unternehmensethiker Guido Palazzo verheiratet und hat zwei fast erwachsene Söhne.

 

Haben Sie Fragen, die Ihnen in Ihrem Arbeitsleben schon öfter begegnet sind und die Sie Dr. Palazzo stellen möchten? Gerne berücksichtigen wir diese dann für die kommenden Ausgaben. Lassen Sie uns Ihre Fragen gerne per E-Mail an die Redaktion zukommen.