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Unternehmensethik macht glücklich!

4 Minuten
 

Diese kühne Behauptung ist mein persönliches Credo. Ja, es klingt kitschig, aber ich bin zutiefst davon überzeugt. Deshalb habe ich den Satz auch auf die erste Seite meiner Firmenwebseite geschrieben.

In letzter Zeit wurde ich häufiger gefragt, wie ich darauf komme.

Ich fand das eine berechtigte Frage und ich möchte hier versuchen, das genauer zu erklären.

In meiner langjährigen Erfahrung als Beraterin für Unternehmensethik habe ich immer wieder gesehen, wie sehr die Menschen darunter leiden, wenn es in ihren Organisationen ethische Konflikte und Probleme gibt und diese nicht mutig, transparent und kompetent angegangen werden.

Von ungerechten und aggressiven Chefs, zu Mauscheleien bei Spesenrechnung oder Vergaben über sexuelle Belästigung bis zum Auftrag, den man nur gegen eine fette «Provision» an den Geschäftspartner bekommt – ethische Herausforderungen gibt es immer und überall. Entscheidend ist, wie ein Unternehmen mit ihnen umgeht!

In meinen Workshops erlebe ich immer wieder, wie erleichtert die Teilnehmenden sind, wenn sie endlich einmal über solche Dilemmasituationen in ihrem Arbeitsalltag sprechen dürfen, wenn sie sehen, dass auch andere sich damit herumschlagen und dass man gemeinsam viel besser zu guten Lösungen kommen kann. Oft wollen sie gar nicht mehr aufhören darüber zu diskutieren. Und es wird meist sehr schnell klar, dass man viele dieser komplexen Fragen nicht als einzelner Mitarbeitender lösen kann.

Wenn ein Unternehmen seine Mitarbeitenden mit diesen ethischen Herausforderungen allein lässt, dann werden sie unter dem Teppich des organisationalen Schweigens gekehrt. Dadurch verschwinden die Probleme natürlich nicht! Bestenfalls belasten sie die Menschen wie ein unsichtbarer Grauschleier, der Motivation und Inspiration abtötet, schlimmstenfalls sind sie der Nährboden für den nächsten Unternehmensskandal.

In einem Unternehmen ohne diesen ethischen Grauschleier nimmt also auch das Arbeitsleid der Menschen ab und das Arbeitsglück zu.

Die meisten Menschen wollen mit einem guten Gewissen zur Arbeit kommen, sie wollen einen Beitrag zu etwas leisten auf das sie stolz sein können. Sie haben keine Lust, ihre Energie mit dem Vertuschen von Fehlern oder mit Machtkämpfen und Mikropolitik zu vergeuden. Sie wünschen sich ein Umfeld, in dem sie sich mit Fairness, Respekt und Wertschätzung behandelt fühlen. Und sie wollen eine Unternehmenskultur, in der ethisches Fehlverhalten nicht toleriert wird und konstruktive Kritik geschätzt wird.

Ist es leicht so eine Integritätskultur aufzubauen und zu erhalten?  Ganz und gar nicht. Lohnt es sich? Ganz bestimmt, denn glückliche Mitarbeitende sind produktiver, kooperativer, innovativer und werden seltener krank.

Welche Rolle kann hier die Compliance spielen?

Sie sollte sich bewusst und unbeirrbar von ihrem Image als Spaßbremse distanzieren und immer wieder aufzeigen, wie sie die Menschen im Unternehmen von der Last des ethischen Grauschleiers befreit und das Unternehmen vor Schaden bewahrt.

Fangen Sie einfach mal bei sich selbst an, indem Sie Ihre Rolle als Compliance Officer nicht als die des Aufpassers, sondern als eine Art unerkannter “Chief Happiness Officer” neu interpretieren. In meinem nächsten Blogbeitrag an dieser Stelle verrate ich Ihnen meine persönlichen Tipps hierfür!