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Belästigung am Arbeitsplatz

 

Die EU definiert in der 2006 veröffentlichen Richtlinie zur Gleichbehandlung (2006/54/EC) den Begriff "Belästigung" als “unerwünschte auf das Geschlecht einer Person bezogene Verhaltensweisen, die bezwecken oder bewirken,dass die Würde der betreffenden Person verletzt und ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen,Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird."

 

Quellenangabe: (Amtsblatt Europäische Union, RICHTLINIE 2006/54/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES, Artikel 2 (1) c) unter eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32006L0054&from=EN),(aufgerufen am 03.06.2020)

 

Zu den Arten der Belästigung zählen u.a. verbale Beleidigungen, Mobbing, sexuelle Belästigung, Drohungen und körperliche oder verbale Gewalt. Die sexuelle Belästigung lässt sich wiederum in Unterkategorien aufteilen, wie z. B. sexualisierte Sprüche, körperliche Nötigung, unerwünschtes Entblößen usw. Solche Belästigungen können zu großen seelischen Belastungen und Stress bei den Betroffenen führen. Somit kann auch die Motivation, Leistungsfähigkeit und das Selbstwertgefühl der Betroffenen massiv beeinträchtigt werden, welches wiederum einen EInfluss auf die gesamte Unternehmenskultur haben kann. 

 

Wie sieht die Lage bei sexueller Belästigung aus?
Laut § 12 Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz (AGG) sind Arbeitgeber dazu verpflichtet, ihre Mitarbeiter insbesondere vor sexuellen Übergriffen zu schützen. Die Opfer haben nicht nur das Recht, sich zu beschweren sondern auch ggf. die Arbeitsleistung zu verweigern. Oftmals ist das Problem jedoch, wann genau eine sexuelle Belästigung vorliegt, da das Empfinden sich von Person zu Person stark unterscheiden kann. Allgemein wird hier zwischen physischer, verbaler und non-verbaler sexueller Belästigung differenziert. Als Orientierungshilfe kann auch hier das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) herangezogen werden. In § 3 Absatz 4 AGG heißt es:

"Eine sexuelle Belästigung ist […] ein unerwünschtes, sexuell bestimmtes Verhalten, wozu auch unerwünschte sexuelle Handlungen und Aufforderungen zu diesen, sexuell bestimmte körperliche Berührungen, Bemerkungen sexuellen Inhalts sowie unerwünschtes Zeigen und sichtbares Anbringen von pornographischen Darstellungen gehören, [das] bezweckt oder bewirkt, dass die Würde der betreffenden Person verletzt wird, insbesondere wenn ein von Einschüchterungen, Anfeindungen, Erniedrigungen, Entwürdigungen oder Beleidigungen gekennzeichnetes Umfeld geschaffen wird.“ Wichtig ist hier also das beidseitige Einverständnis.

 

Eine Studie im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes hat herausgefunden, dass jede elfte erwerbstätige Person (9 % der Befragten) in den vergangenen drei Jahren sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt hat. Frauen waren mit 13 % mehr als doppelt so häufig wie Männer (5 %) betroffen. Da sich Mitarbeiter ohnehin schon in einer sehr schwierigen Situation befinden, sollten Unternehmen geeignete Präventions- und Bekämpfungsmaßnahmen ergreifen, um ihren Mitarbeitern zu helfen und sich vor etwaigen Haftung zu schützen. Mitarbeiter sollten die Möglichkeit erhalten, anonym Meldungen abzugeben, damit diese keine Repressalien zu befürchten haben und eine Kultur gefördert wird, in der die Stimmen der Mitarbeiter erhöhrt werden sowie Fehlverhalten nicht geduldet wird.

 

Vgl. Antidiskriminierungsstelle des Bundes unter: https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Downloads/DE/publikationen/AGG/agg_gleichbehandlungsgesetz.pdf?__blob=publicationFile (abgerufen am 03.06.2020).

 

Vgl. Antidiskriminierungsstelle des Bundes unter: https://www.antidiskriminierungsstelle.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2019/20191025_Studie_Sexuelle_Belaestigung.html (abgerufen am 03.06.2020).